Schönbergturm Pfullingen

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Bild vom Schönbergturm Pfullingen, Stempel "Pfullingen 1906 - 2006 100 Jahre Schönbergturm"

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Vor 150 Jahren wurde der Architekt Theodor Fischer geboren – prägende Bauwerke für Pfullingen und das Echaztal

Artikel vom 31.05.2012

Pfullingen. Der Architekt und der Mäzen – fast hätte man ein Doppeljubiläum anlässlich der nur ein Jahr auseinanderliegenden 150. Geburtstage von Theodor Fischer und Louis Laiblin feiern können. Ohnehin sind die innovativen und ortsbildprägenden Bauwerke Fischers, wie der Schönbergturm oder die Pfullinger Hallen, nicht denkbar ohne das finanzielle Engagement eines Louis Laiblin. Und ohne die weit über das rein baulich-funktionale hinausreichenden architektonisch-künstlerischen Bestrebungen Theodor Fischers wäre wohl Laiblin nicht auf die Idee gekommen, in Pfullingen auch Bauwerke mit kultureller Impulskraft errichten zu lassen.

 

Der in Schweinfurt am 28. Mai 1862 geborene Fischer nahm 1901 einen Ruf an die Technische Hochschule Stuttgart an, nachdem er sich zuvor in München, wo er Leiter des Stadterweiterungsbüros gewesen war, einen Namen auf dem Gebiet des Städtebaus gemacht hatte. Der Lehrstuhl für Entwerfen, den er nun innehatte, war der wichtigste für die Architektenausbildung an der TH Stuttgart. 

 

Wohl um das Jahr 1904 sind Fischer und Laiblin erstmals zusammengetroffen; denkbar ist eine Begegnung beim Bau der Arbeiterkolonie Gmindersdorf, die Fischer mit hohem sozialen Anspruch im Auftrag der Reutlinger Textilfirma Gminder realisierte.

 

Am Anfang der Zusammenarbeit stand mit dem Um- und Ausbau des nach Laiblins früh verstorbener Frau benannten Helenenschlösschens zum Landgut Erlenhof in den Jahren 1904 bis 1906 ein privates Projekt Louis Laiblins. Das „Zentralblatt der Bauverwaltung“ würdigte den Erlenhof als wohl geeignetes Beispiel, „um in weitem Umkreis die ländliche Baukunst in gutem Sinne zu beeinflussen“. Gerade im zunehmenden städtischen Einfluss auf die Bauformen sah der Verfasser Gefahren für eine bodenständige Bauweise, die, wie der Erlenhof zeigte, mit einer zeitgemäßen Einrichtung verbunden werden konnte (etwa Elektrizität für Beleuchtung und zusätzliche Heizung).

 

Schon im Zusammenhang mit dem Bau des Erlenhofs fanden im Frühjahr 1904 die Pläne für eine „Ton- und Turnhalle“, die späteren Pfullinger Hallen, Erwähnung. Sie waren das wohl ambitionierteste Projekt von Fischer und Laiblin, der damit den Bitten des Pfullinger „Liederkranzes“ und des Turnvereins um Unterstützung bei der Schaffung geeigneter Vereinslokale nachkam.

Fast prototypisch verwirklichte Fischer hier seine Idee eines Volkshauses, die er 1906 in einem kleinen programmatischen Aufsatz – „Was ich bauen möchte“ – im „Kunstwart“ darlegte: „[…] ein Haus, nicht zum Bewohnen für Einzelne und Familien, aber für Alle, nicht zum Lernen und Gescheitwerden, sondern nur zum Frohwerden, nicht zum Anbeten nach diesem oder jenem Bekenntnis, wohl aber zur Andacht und zum inneren Erleben. Also keine Schule, kein Museum, keine Kirche, kein Konzerthaus, kein Auditorium! Und von allen diesen doch etwas und außerdem noch etwas Anderes!“

Allerdings hatte Fischer den „freundlichen Bauherrn“ zur Ausführung seines Projektes, an dem laut seines Aufsätzchens noch mangele, in Louis Laiblin schon längst gefunden.

In der Dachkonstruktion der Pfullinger Hallen, die an die umliegende Alblandschaft erinnert, zeigte sich Fischers Bestreben, in seiner Architektur auch auf regionale Gegebenheiten Bezug und Rücksicht zu nehmen. Die Verwendung von Eisenbeton für das Tonnengewölbe war zugleich höchst modern. Schließlich sollte die künstlerische Ausgestaltung des Bauwerks durch Akademieschüler des an der Stuttgarter Kunstakademie lehrenden Adolf Hölzel Fischers Ideal eines Gesamtkunstwerkes verwirklichen.

Die Pfullinger Hallen stiftete Laiblin 1907 der Stadt Pfullingen. Vergleichbare, der kulturellen Erbauung dienende Projekte waren das Gustav-Siegle-Gemeinschafts-Haus in Stuttgart und das Cornelianum in Worms. Auch sie wurden durch finanzkräftige Mäzene aus den Reihen des Großbürgertums initiiert.

 

Ein weiteres höchst innovatives Bauwerk war der Schönbergturm, einer der ersten Aussichtstürme überhaupt, der in Eisenbetonbauweise errichtet wurde. Das weithin sichtbare Wahrzeichen Pfullingens und des Echaztales verdankt seine Entstehung wiederum der maßgeblichen Finanzierung Laiblins. 1905 fertiggestellt, bildet der 26m hohe Doppelturm eine Art modernen Gegenentwurf zum ganz dem Historismus verhafteten Schloss Lichtenstein. Aber auch der Schönbergturm erscheint zuweilen unwirklich, weckt Erinnerungen an verzauberte Märchenschlösser, wie selbst das „Zentralblatt der Bauverwaltung“ in einem Artikel aus dem Jahr 1907 feststellen muss.

Hier wie etwa auch in der Ulmer Garnisonskirche, der Dorfkirche in Gaggstadt oder einem nicht realisierten Entwurf für das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig zeigt sich deutlich Fischers Vorliebe für Doppelturmanlagen, die durch eine Art Galerie miteinander verbunden sind. Im Pfullinger Aussichtsturm hat eine solche Doppelkonstruktion auch ihre ganz praktische Funktion, indem sie den Turmbesuchern einen getrennten Auf- und Abstieg ermöglicht. Die Tragpfeiler des Daches, die die Galerie begrenzen, zerlegen die Aussicht in einzelne Bilder, die wie gerahmte Landschaftspanoramen den Blick einerseits lenken und dem Betrachter andererseits doch alle Freiheit in Wahrnehmung und Verknüpfung seiner Eindrücke lassen.

 

Quasi als kleinere Beigaben von Fischers Pfullinger Großprojekten sind die heute nur noch zum Teil erhaltenen Arbeitermusterhäuser in der Hohmorgenstraße zu erwähnen sowie das 1907 fertiggestellte Schützenhaus am Ahlsberg. In beiden Fällen leistete wiederum der Pfullinger Privatier großzügige finanzielle Unterstützung.

 

Fischer selbst, 1907 einer der Gründer des „Deutschen Werkbundes“ und Vater der „Stuttgarter Schule“, die etwa mit dem Namen seines Assistenten und Nachfolgers Paul Bonatz verbunden ist, verließ Stuttgart 1908 wieder Richtung München. Mit seinen städtebaulichen Ideen und kritischen Anmerkungen war er in Stuttgart durchaus nicht nur auf ungeteilte Gegenliebe gestoßen.

 

Wer sich auf die Pfullinger Spuren des bedeutenden, 1938 verstorbenen Architekten begeben will, hat dazu am Pfingstmontag Gelegenheit: Aus Anlass von Theodor Fischers Geburtstag, der sich an diesem 28. Mai zum 150. Mal jährt, bietet Martin Fink eine Sonderführung zu den Pfullinger Fischer-Bauten an. Treffpunkt ist um 11.00 Uhr die Pfullinger Hallen.

Zur thematischen Vertiefung bietet sich die Dokumentationsstätte der Villa Louis Laiblin an. Sie ist am Pfingstmontag von 14.00 – 17.00 Uhr geöffnet. Dort werden um 15.00 Uhr und 16.00 Uhr ebenfalls Führungen angeboten.

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